Archiv | Juli, 2011

Morgenthaus Diplomatiebegriff: Macht als Empathie

13 Jul

Vortrag für die Dritte Offene Sektionstagung der DVPW-Sektion Internationale Politik, 6.-7. Oktober 2011, Ludwig-Maximilians-Universität München
Der Machtbegriff Morgenthaus wird aufgrund einer Bevorzugung der „sechs Punkte des Realismus“ aus Politics Among Nations meist auf eine positivistische Vorstellung von Macht reduziert, so dass Macht als Nullsummenspiel fungieren muss. Zwar ist diese krude Interpretation des „Machtapologeten“ Morgenthau durch jüngere Forschungen grundsätzlich überwunden worden (z. B. Williams 2005/Scheuerman 2009/Jütersonke 2010); dennoch würde es zu weit gehen, Morgenthau als rein auf deliberative Elemente vertrauenden Liberalen zu klassifizieren.
Während einige Morgenthau-Interpreten betonen, dass Morgenthau die Möglichkeit einer verrechtlichten internationalen Struktur in Form einer positiven Institutionalisierung der Weltpolitik vertreten habe, so wird in diesem Beitrag die konträre Auffassung vertreten, dass global betrachtet ein flexibler Staatszentrismus die Grundlage für Morgenthaus Realismus bleibt. Seine neun Punkte der Diplomatie aus Politics Among Nations erweisen Morgenthau als empathischen Denker. Morgenthaus Vorstellung einer intersubjektiv-empathischen Diplomatie weist einen Weg, die Weltpolitik auch in Zeiten transnationaler Bewegungen und Konflikte ordnungsfähig zu halten. Mit Hilfe der Philosophien George Herbert Meads und Thomas Nagels werden die psychologischen Grundlagen des Morgenthauschen Macht- und Kommunikationsbegriffs dargestellt.

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